psychotherapie
Was ist unter Psychotherapie im allgemeinen zu verstehen ?
Ein übliches Nachschlagewerk gibt dazu folgende Auskunft:
Psychotherapie (griech.), klinische und wissenschaftliche Disziplin zur Behandlung oder Mitbehandlung von psychischen, psychosomatischen oder somatopsychischen Krankheiten, von seelisch bedingten Leidenszuständen und von Verhaltensstörungen. Psychotherapie wird mithilfe wissenschaftlich begründeter und empirisch geprüfter Verfahren und Methoden mit psychologischen Mitteln durch verbale, aber auch averbale Kommunikation, in einem bewussten und geplanten interaktionellen Prozess durchgeführt, ...(Brockhaus 1998)
Sigmund Freud, der wohl allgemein bekannteste Begründer aus dem Feld der Psychotherapie schrieb 1890 über psychische Behandlung oder Seelenbehandlung, dies sei eine Behandlung seelischer und körperlicher Störungen mit Mitteln, die auf das Seelische des Menschen einwirken. (zit. nach Lang 1990: 1)
Desgleichen: Psychotherapiegesetz, § 1 Artikel I, Berufsumschreibung
§1. (1) Die Ausübung der Psychotherapie im Sinne dieses Bundesgesetzes ist die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewusste und geplante Behandlung von psychosozialen oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszustände mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einem oder mehreren Behandelten und einem oder mehreren Psychotherapeuten mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit des Behandelten zu fördern.
Es besteht also ein historisch belegter Konsens, dass es um seelische und körperliche Störungen geht, die mithilfe von auf die Seele wirkenden Mitteln behandelt werden.
Im speziellen auf Personzentrierte Psychotherapie bezogen schreibt Carl Rogers in seinem Buch "Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie" (Rogers, 1951/1995, 15): " Beim Schreiben dieses Buches musste ich häufig an die Äußerungen eines Semantikers denken, dass die wahre, die echte und wirkliche Bedeutung eines Wortes sich nie in Worten ausdrücken lässt, weil die wirkliche Bedeutung das Ding selbst wäre. Wenn man eine solche wirkliche Bedeutung mitteilen wolle, dann solle man die Hand auf den Mund legen und zeigen. Das ist es, was ich nur zu gern täte. Ich würde sofort auf alle Worte verzichten, wenn ich die Erfahrung, die Therapie ist, auf irgendeine Weise zeigen könnte. Therapie ist ein Prozess, ein Ding an sich, eine Erfahrung, eine Beziehung, eine wirksame Kraft. (Hvhbg. M.S.) Therapie ist weder das, was dieses Buch, noch irgendein anderes Buch über sie sagt, eben sowenig wie eine Blume die Beschreibung ist, die der Botaniker von ihr gibt."
Oder Peter F. Schmid in der Zeitschrift Person 2/1999, S.139: „Personzentrierte Psychotherapie ist eine Art und Weise der Beziehung mit Menschen, zu zweit oder in Gruppen, die Persönlichkeitsentwicklung durch personale Begegnung fördert. Sie geht davon aus, dass jeder Person die Fähigkeit und Tendenz gegeben ist, in konstruktiver Weise von ihren unermesslichen Ressourcen Gebrauch zu machen. Der Mensch kann das eigene Leben und Zusammenleben in befriedigender Weise gestalten, indem er sich selbst immer genauer zu verstehen sucht und sich dem kontinuierlichen Fluss seines Erlebens mit zunehmend weniger Abwehr öffnet. Diese Tendenz zur Verwirklichung der eigenen Möglichkeiten wird durch die Begegnung von Person zu Person angeregt und unterstützt. Dabei handelt es sich um eine Beziehung, deren Qualität durch den Respekt vor dem je individuellen Anderssein des Klienten oder der Klientin gekennzeichnet ist, dem der Therapeut oder die Therapeutin in authentischer, kongruenter Weise, mit nicht an Bedingungen gebundener Wertschätzung und in tief einfühlsamer, nichturteilender Weise präsent ist und mit dem oder der er oder sie sich in der Beziehung gemeinsam weiterentwickelt.“